Heldenreise als Orientierungsmuster für Change-Prozesse

Geschichten bestehen aus einem Wandel: Zwischen dem Anfang und dem Ende durchlebt die Hauptfigur eine Veränderung: Sie löst Herausforderungen, Konflikte und kehrt verändert zurück.

  • Sie hat sich bewährt und ist bis heute ein Modell, welches sich hervorragend eignet, um Stärken zu fördern, Widerstände aufzulösen, Neuerungen zu meistern und Visionen zu leben.
  • Dieses Prinzip der Heldenreise lässt sich auch auf Unternehmen anwenden: Die Reise beziehungsweise der Weg von der Herkömmlichen Welt zu einer geänderten Welt wird beim Storytelling häufig auch als Suche (Quest) bezeichnet.
  • Bei der Suche steht nicht nur das Ziel, sondern gleichberechtigt der aufreibende und risikoreiche Weg, der sich während des Wandels verändert, im Fokus.

Ohne Change keine Story

Einer der grundlegendsten Eigenschaften der Erzählstruktur der Heldenreise nach Joseph Champell ist die Veränderung (Change):

  • Die Hauptfigur durchläuft einen Change-Prozess, indem er in der gewohnten Welt startet, Herausforderungen meistert und sich ihren Ängsten stellt. Sie verändert sich im Laufe der Reise zum Helden und kommt immer, aufgrund der gesammelten Erfahrungen, verändert zurück.
  • Naturbedingt wandeln wir Menschen und unsere Umwelt uns ständig. Und obwohl wir den mit Arbeit und Mühsal verbundenen Veränderungsprozess nicht lieben, lieben wir Geschichten. Sie machen uns Spaß! Jede Geschichte lebt jedoch von einer Veränderung: Zwischen dem Anfang, dem Aufbruch der Reise aus der gewohnten Umgebung, und dem Ende der Reise, löst der Held der Story einen Konflikt bzw. meistert die Herausforderung. Wen wundert es dann, dass die Heldenreise, eine Grundstruktur, nach der erfolgreiche Geschichten aufgebaut sind, einen klaren Ablauf, den Roten Faden, vieler Change-Prozesse aufzeigt. Der uralte Heldenmythos ist in Kombination mit modernen Management- methoden geeignet, Veränderungen nachhaltig zu etablieren.

Erzählstruktur “Die Suche” nach den Seven Plots von Christopher Booker.

Campbells Heldenreise

Gute und erfolgreiche Geschichten besitzen eine archetypische Grundstruktur, welche auch als Monomythos bezeichnet wird. Der amerikanische Mythenforscher Joseph Campbell erforschte weltweit Märchen, Sagen und Legenden von Naturvölkern und entdeckte folgende Gemeinsamkeiten:

  1. Alle Völker lernten durch Geschichten (Wissenstransfer)
  2. Alle Geschichten wiesen einen ähnlichen Situationsablauf (Grundmuster) auf
  3. In alles Storys tauchten ähnliche Charaktere (Archetypen) auf.
  4. Alle Geschichten durchlaufen von der Ausgangssituation bis zum Ende einen Wandel.

Diese Erkenntnis fasste er in der Heldenreise zusammen, die gleichzeitig als Grundstruktur für Geschichten und als Konzept für Veränderungen dient.

Das Grundprinzip der Heldenreise ist schnell erzählt

Die klare Struktur der Heldenreise zeigt, wie Change-Prozesse ablaufen: 

  1. Der Mitarbeiter (Stakeholder) bricht aus seiner bekannten Welt auf (Ruf),
  2. um sich dann – angeleitet von einem Mentor – seinen Ängsten und Gefahren zu stellen.
  3. Nach kleineren Prüfungen und Überwindung vieler Schwellen (Ängste, gewohnte Denkprozesse), ist er dann gerüstet,
  4. um in den entscheidenden Kampf zu ziehen und zu siegen.
  5. Oft kämpft der „Held“, für höhere Werte, um die Welt vor dem Bösen zu retten (Frodos Kampf gegen Sauron), für eine Vision (Ziel) eines besseren Lebens. (Belohnung)
  6. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden in die bekannte Umgebung zurückgeführt und dort verankert (neue bekannte Welt).